EZB kündigt erste Zinserhöhung im Juli an

Die Europäische Zentralbank kündigt an, die Zinssätze zu erhöhen und die Druckerpresse zu stoppen, indem sie ihre Anleihekäufe beendet. Die Entscheidung ist eine Zäsur: Seit elf Jahren hat es keine Zinserhöhung mehr gegeben.

Eine Inflationsrate von zuletzt mehr als acht Prozent hat den Deutschen mehr Angst eingejagt, als es eine Zinserhöhung je könnte. Die Hoffnungen sind groß, dass EZB-Chefin Christine Lagarde endlich zur entscheidenden Waffe im Kampf gegen die Inflation greift. Sie, und damit auch die EZB, hat nun für Juli eine Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte signalisiert, was manchen Beobachtern noch zu wenig ist. Der nächste Schritt wird im September erfolgen – möglicherweise mit einer größeren Anhebung. Vorerst bleibt der Leitzins aber auf dem Rekordtief von null Prozent, und die Banken müssen weiterhin 0,5 Prozent Zinsen für bei der EZB geparktes Geld zahlen. Lagarde hat in Aussicht gestellt, die Negativzinsen bis Ende September zu beenden. Gleichzeitig beschloss der EZB-Rat auf seiner auswärtigen Sitzung in Amsterdam, die milliardenschweren Netto-Anleihekäufe zum 1. Juli zu beenden. Das Ende dieser Käufe hatte die Zentralbank in ihrem längerfristigen geldpolitischen Ausblick („forward guidance“) als Voraussetzung für eine Zinserhöhung erklärt.

Kritik am Tempo der von der Europäischen Zentralbank (EZB) geplanten Zinserhöhungen kam prompt auch aus der deutschen Wirtschaft. „Zu wenig und zu spät“, sagte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Dirk Jandura, am Donnerstag gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters über die angekündigte Zinswende. „Dieser Zeitplan ist noch zu zögerlich“, sagte auch der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, Christian Ossig. „Das fundamental veränderte Preisumfeld rechtfertigt nicht mehr einen negativen Leitzins bis in den Herbst hinein“, sagte Ossig und verwies auf den Einlagensatz von derzeit minus 0,5 Prozent, den Banken für bei der EZB geparktes Geld zahlen müssen. Die EZB sollte daher ihre Negativzinspolitik im Juli und damit vor der Sommerpause mit einer Erhöhung um einen halben Prozentpunkt in einem Schritt beenden. „Das wäre ein klares und dringend notwendiges Signal an Verbraucher, Unternehmen und Tarifparteien“, sagte Ossig.

In ihren Prognosen für das laufende und das kommende Jahr erwartet die Europäische Notenbank ein deutlich schwächeres Wirtschaftswachstum und einen stärkeren Anstieg der Verbraucherpreise für den Euroraum als noch im März angenommen. Demnach wird die Inflationsrate in diesem Jahr bei 6,8 Prozent liegen. Im März war die Zentralbank noch von 5,1 Prozent und im Dezember von 3,2 Prozent ausgegangen. Für das kommende Jahr rechnen die Währungshüter mit einem durchschnittlichen jährlichen Preisanstieg von 3,5 Prozent (März-Prognose: 2,1 Prozent). Für 2024 prognostiziert die EZB eine Inflationsrate von 2,1 Prozent im Währungsraum (März: 1,9 Prozent).

Ökonomen hatten im Vorfeld der EZB-Sitzung am Donnerstag mit einer Reihe von Zinsschritten nach oben in diesem Jahr gerechnet. Demnach könnte der Einlagensatz bis zum Jahresende auf plus 0,5 Prozent und der Hauptrefinanzierungssatz auf ein Niveau von 0,75 Prozent steigen. Andere Zentralbanken, wie die Federal Reserve in den USA oder die Bank of England, haben ihre Leitzinsen bereits mehrfach angehoben. Die Erfahrung hat jedoch gezeigt, dass es eine Weile dauert, bis die Sparer von den höheren Zinsen profitieren.

Quellen: Reuters, dpa, Focus

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